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Nienhagen

Beiträge zur Nienhagener Dorf- und Familiengeschichte




Liebe Besucherin, lieber Besucher dieser Seite,

Wenn man einem kleinen Dorf einen ganzen Bereich seiner Internetseite widmet, muß man schon eine besondere Beziehung dazu haben. Meine Wurzeln liegen zu 50 % in Nienhagen, allerdings hat mich dieser Anteil wohl besonders geprägt. In den Schilderungen Königs über Wesenszüge der Bewohner des Dorfes Nienhagen, finde ich mich selbst beschrieben ...

Familien- und Ortsgeschichte gehören aufs Engste zusammen: „Das örtlich Typische schärft den Blick für das Individuelle. Wenn wir schon von unseren Vorfahren selbst, die z. B. vor 200 Jahren lebten, nicht viel mehr als ihre Lebensdaten wissen, so gewinnen sie doch wieder Leben, wenn wir die Zeit verstehen, in der sie ihres Daseins Kreise vollendeten.“ (Otto Groffebert, 1912 und 1938)

Dazu sollen diese Seiten einen Beitrag leisten.
Herzlichst - Wilfried Hartje




Hintergrundinformationen




Nienhagen ist in einem schmalen Seitental am Fuß der Weper gelegen, etwa 4 km westlich vom Zentralort Moringen entfernt. Es zählt zu den sogenannten Weperdörfern. Die Dorfbevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft. Die Landwirte sind für ihre steinreichen Böden bekannt. Der über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Professor Sohnrey war von 1879 - 1886 Lehrer in diesem Ort. Auf der Weper, ca. 2 km westlich des Ortes, erstreckt sich ein heute nur noch wenig genutztes Segelfluggelände, das besonders 1962/1963 fliegerische Höhepunkte erlebte und ein Ferienhausgebiet.

Geschichte

Nienhagen wird erstmals 1448 nachvollziehbar in dem Schatzregister des Gerichts Moringen unter der Schreibweise "Nigehage" erwähnt. Eine andere Schreibweise des Ortes findet sich ca. 1519/1520 mit "Nigenhagen". Ab ca. 1542 wird wohl die heutige Schreibweise dieser Ortschaft bestanden haben. Nienhagen gehört nicht mit zu den ältesten Ortschaften Moringens. Die mit "-hagen" endenden Ortsnamen finden sich eigentlich nicht vor dem 12. Jahrhundert.



Vermutlich entstand dieser Ort, der in seiner Gründungszeit in einem ausgedehnten Waldgebiet lag, als ausgelagertes, zur Burg Moringen gehörendes Pferdegestüt. Erfahrungsgemäß hatten diese Pferdezuchtgebiete zunächst hölzerne Wachtürme zum Schutz der kostbaren Pferdeherden. Später wurden diese Wachtürme durch massive Wehrbauten ersetzt, die auch als Kapellen genutzt wurden.

Noch heute prägt diese alte markante Wehrkirche, die wohl in der Zeit um 1300 entstanden ist, das Ortsbild von Nienhagen. Eine etwa baugleiche Wehrkirche, die auch wohl zur gleichen Zeit entstanden ist, finden wir in Oldenrode. Nach Verwüstung (1583) der Ortschaft Crumele (etwa 2 km westlich von Nienhagen gelegen), infolge der Hildesheimer Stiftsfehde, erhält der Ort Nienhagen einen Wachstumsschub. In späterer Zeit wurden die Nienhäger wegen der Aufnahme eines Teils der Crumeler Bevölkerung auch "Krummel-Erben" genannt.

Nach dem 30-jährigen Krieg, der eine Umschichtung der Bevölkerung bewirkt hatte, arbeitet der Großteil der Bewohner in bäuerlichen Betrieben.

Zur Zeit der Napolonischen Besatzung wurden alle jungen Männer der Gemeinden zum Wehrdienst für den Feind gezwungen und in die westfählische Armee eingezogen. So nahmen dann auch einige junge Männer aus den Ortschaften an Napoleons Feldzug gegen Rußland teil. Nur einer aus Nienhagen kehrte als Einziger aller aus den Moringer Ortschaften nach Rußland Gezogenen zurück. Der Reiter Friedrich Bierkamp, der sowohl den Einzug Napoleons in Moskau, wie auch den schrecklichen Beresnia-Übergang Napoleons bei Borissow mitgemacht hatte. Im Frühjahr 1814 kehrte er zurück und nahm 1815 an der Schlacht bei Waterloo teil, aus der er auch wieder gesund heimkehrte.

Die erste Schule in Nienhagen wurde vermutlich erst nach dem 30-jährigen Krieg eingerichtet, sie stand nördlich der Kapelle und wurde 1873 wegen Baufälligkeit abgerissen. Danach wurde südlich der Kapelle eine neue Schule errichtet, die in einem Gebäude Schule, Lehrerwohnung, Scheune und Stallungen beherbergte. Diese Schule fiel dann im Jahr 1900 einem Brand zum Opfer. In den Jahren 1901-1902 wurde am Ortseingang eine neue Schule errichtet. Dieses Gebäude steht heute noch. Als Lehrer von 1879 - 1886 war Heinrich Sohnrey in Nienhagen tätig, der später als Prof. Sohnrey als bekannter Heimatdichter, Sozialpolitiker und Volkstumsforscher weit über den südniedersächsischen Raum bekannt wurde und mit hohen Auszeichnungen geehrt wurde. Er gründete nicht nur den Männer-Gesangverein Nienhagen, sondern richtete auch 1880 - richtungsweisend für die Umgebung - eine Volksbibliothek ein.


Die Sohnreyhütte an der Weperkante

Am 15.06.1931 wurde die auf der höchsten Erhebung der Weper von Freunden des Dichters auf Initiative des Postmeisters Breuning errichtete Sohnreyhütte der Öffentlichkeit übergeben. Nach Verfallserscheinungen dieses Baues wurde dieser im Jahr 1959 restauriert und die Seitenbögen zugemauert um mehr Windschutz zu haben.

Nach dem Krieg begann ein reger Segelflugfbetrieb auf der Weper oberhalb von Nienhagen, wobei besondere Höhepunkte an den Flugtagen in den Jahren 1962 und 1963 bestanden.

Direkt neben dem Fluggelände entstand nach 1970 ein praktisch neuer Ortsteil von Nienhagen. Es entstand eine Feriensiedlung wo überwiegend Berliner Zweitwohnungen zu Ferien- und Urlaubszwecken errichteten, um der eingemauerten Großstadt zu entkommen. Einige der ehemaligen "Urlauber" sind jetzt hier schon auf Dauer ansässig geworden.


Nienhagen und der Wackelberg



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